Gedanken zur deutschen Festivalszene die Zweite – Wie peinlich ist zu peinlich?

Die deutsche Festivalszene hat in den letzten Jahren einige Änderungen erlebt. Festivals, wie zum Beispiel das Earthshaker Open Air, sind von der Landkarte verschwunden, andere sind dazu kommen. Eines davon geht von einer Band aus, die am Aufblähen bis die Blase platzte und dem anschließenden Verschwinden des Earthshakers nicht ganz unbeteiligt gewesen ist. Die Rede ist natürlich von MANOWAR und ihrem Magic Circle Festival.

Die Idee klang zunächst verlockend, als MANOWAR 2007 ein eintägiges Festival für 10€ als Dank an ihre Fans ankündigten. Wenn man ehrlich ist, wollten die selbsternannten Retter des wa(h)ren Stahl wohl auch die Fans zurückgewinnen, die mit überzogenen Ticket- und Merchpreisen, einer überzogenen Veröffentlichungspolitik vor allem was DVDs angeht und nicht zuletzt reichlich peinlicher Fernsehauftritte wie bei Stefan Raab vergrault worden waren. Aber Ehre, wem Ehre gebührt: MANOWAR stellten eine Veranstaltung auf die Beine, die für den ausgerufenen Preis mehr als genug bot.

Hätte man es dabei belassen, man hätte das Festival tatsächlich als Geschenk an die Fans sehen können und MANOWARs Ruf wäre vielleicht etwas aufpoliert worden, allein es kam anders. Quasi aus dem Nichts sollte ein Festival in einer Größe aus dem Boden gestampft werden, für die andere etablierte Open Airs Jahre gebraucht hatten.
Zugegeben, das Billing sah zunächst auch nicht mal schlecht aus. Auch wenn die Schützlinge des bandeigenen Labels quasi vollzählig gebucht wurden, sollten auch Fans klassischen Hard Rocks auf ihre Kosten kommen. Was wohl MANOWAR in den 80er und 90er Jahren dazu gesagt hätten, mit knallharten Brothers Of Steel wie DEF LEPPARD oder WHITESNAKE die Bühne zu teilen…das Problem wurde aber ohnehin umgangen, denn nach einem Streit zwischen den Managements exakt dieser beiden Bands auf der einen und MANOWAR auf der anderen traten die gebuchten gar nicht erst auf. Welchen Anteil der Schuld MANOWAR traf, darüber kann man sicher geteilter Meinung sein. Die Reaktionen auf Nachfragen der schreibenden Zunft und die Rückerstattungspraxis für enttäuschte Fans waren sicher eher fragwürdig.
Auch von diesen Querelen abgesehen blieb das Festival hinter den Erwartungen zurück. Die Zuschauerzahl war im Vergleich zum Vorjahr drastisch geschrumpft und das Programm abseits der Musik war mit dem nicht überall in seiner Glorie anerkannten Mr. Metal und einer Wikingerbeerdigung war einfach nicht jedermanns Sache.

Auch hier hätte man noch mit einigermaßen erhobenem Kopf aussteigen können. Stattdessen wurde ein kleines Gelände gesucht, die Ankündigungen dafür um so pompöser, die Formulierungen peinlicher. Beispiele gefällig?

[…]die Geschichtsschreibung durch das Entstehen des Magic Circle Festivals III wird zur Realität und hallt unüberhörbar, wie der Donner von Thors Hammer gegen die Pforten von Asgard! Am Anfang gab MANOWAR bekannt: „They can’t stop us, let them try, for heavy metal come to Loreley in July!“

Es steht für Innovationen, außergewöhnliche Ziele, Kreativität, sowie dem purem Heavy Metal der besten Bands des Planeten.

An dieser Stelle muß ich mich doch kurz selbst wieder zu Wort melden, denn auch das Konzept des Festivals an sich hat sich ein klein Wenig verändert. Wo man im letzte Jahr zumindest noch versuchte, große Namen zu buchen, fährt man dieses Jahr irgendwelche obskuren Exoten auf die, bei allem Respekt vor den Musikern, auch anderen Festivals höchstens morgens um zehn auf der kleinsten Bühne oder in der Warm Up Show am Vortag spielen würden. Dafür wurde allerdings auch der Kartenpreis um ganze 5€ gesenkt. Alles nur für die Fans und den wa(h)ren Metal. Das gilt natürlich vor allem für das ultimative Fanpaket, das unter Anderem eine Grillparty mit Mr. Metal beinhaltet für absolut bescheidene 350€. Folgerichtig kündigen sie auch an (und das ist mein persönlicher Favorit bisher):

Dein Hammer wird in Schande hängen, solltest du nicht dort sein!

Und diese Zitate entspringen nur der aktuellsten Bekanntmachung aus dem Hause MANOWAR. Und ehrlich, ich konnte mit der Band und ihrem Image noch nie Viel anfangen und von Joeys Bereitschaft für den Metal zu sterben bis zu den Berichten über die „Pleasure Slaves“ von Eric Adams haben mich immer eher zu einem Kopfschütteln gereizt. Mit den Vorgängen rund um das Magic Circle Festival hat die Band aber spätestens den Schritt zur Parodie spätestens überschritten. Ein wenig ist es wie bei einem Autounfall. Mann kann einfach nicht wegsehen, auch wenn einem klar ist, daß es nicht gut ausgehen kann.

Spannend ist eigentlich nur, mit welchen Superlativen die Band nächstes Jahr um sich werfen wird, wenn das Festival zu einer Clubshow geschrumpft sein dürfte. Das bleibt abzuwarten und bis dahin, dreht die Regler auf Elf.

Im Original veröffentlicht bei BurnYourEars: Mein Senf

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