Ramm-Stasi

Böse Zungen könnten behaupten, von einer Band mit DDR Hintergrund wäre so ein Verhalten nicht einmal verwunderlich, denn was sich RAMMSTEIN, bzw. ihr Management und ihre Plattenfirma momentan erlauben, erinnert in Sachen Informationsoffenheit tatsächlich etwas an schlechte alte Zeiten im heutigen Osten unserer Republik. Aber der Reihe nach:

Mitte Juli tauchten in verschiedenen Foren Links zu zwei RAMMSTEIN Songs vom noch nicht veröffentlichten Album und aktuelle Pressefotos auf. Man spicht von einem „Leak“, also einem Leck in der Informationskette. Besonders in den Fanforen der Band trafen die neuenh Informationen erwartungsgemäß auf großes Interesse. Die Reaktion des Managements traf einige der größten Fan-Seiten allerdings um so härter. Die mit Abmahnungen bedachten Seiten wie rammstein-austria.com oder herzeleid.com nahmen ihre Inhalte zu großen Teilen oder gleich vollkommen vom Netz.

War diese Attacke gegen Seiten, in deren Foren die Links immer wieder auftauchten, zumindest rechtlich noch auf der sicheren seite und in sich logisch, wenn auch kaum geschickt, wenn man bedenkt, daß man an dieser Stelle mehr oder weniger direkt gegen das Herz der eigenen Fanbasis vorging, so ging man danach noch einen Schritt weiter.
Seit einigen Tagen werden nicht nur Internetseiten, in denen Links zu dem entfleuchten Material gefunden werden, oder in denen inhaltlich über die beiden Songs, ihre Texte oder die neuen Bilder diskutiert wurde drangsaliert, es wurden auch Medien angegangen, die nur über die Vorgänge an sich berichteten. Die Ausgsburger Allgemeine, immerhin eine mittelgroße Lokalzeitung, nahm aufgrund des Drucks einen Artikel aus ihrem Online-Angebot. Die Musikseite laut.de berichtet, daß RAMMSTEIN Management habe mit rechtlichen Schritten gedroht, sollte ein Artikel über die Vorgänge nicht innerhalb weniger Stunden gelöscht werden.

Das Problem an sich ist nicht neu. Kaum ein Album ist nicht bereits Wochen vor der offiziellen Veröffentlichung komplett und in bester Qualität im Netz zu finden. So auch in diesem Fall. Den Berichten zufolge (ich persönlich würde mir ein RAMMSTEINalbum nicht mal anhören, wenn ich es geschenkt bekäme) soll die Soundqualität so gut sein, daß ein Zusammenhang mit einer Pressekonferenz am 8. Juli, bei der Pressevertreter einige Songs vorgespielt bekamen, in keinem direkten Zusammenhang mit der uLücke im System stehen kann…es kann sich nicht um einen Mitschnitt handeln.
Wie so häufig scheint die undichte Stelle sehr nah bei der Band zu liegen und wie so häufig schießen die Betroffenen in alle Richtungen und suchen angestrengt Sündenböcke. Schon oft mußten sich auch Schreiber von Online-Magazinen pauschal den Vorwurf gefallen lassen, sie würden Alben ins Netz stellen. Nicht selten bei Alben, die lange vor Versand der Promo-Exemplare im Netz zu finden waren. Nicht wenige Plattenfirmen und Promoagenturen sind mit dieser begründung dazu über gegangen, Promos erst sehr spät vor oder sogar nach der Veröffentlichung zu verschicken oder gleich auf digitale Bemusterung mit Wasserzeichen umgestigen.

Daß aber eine Plattenfirma oder ein Management sogar etablierte Medien angeht um selbst die Berichterstattung über einen entsprungenen Song, Titel oder Textausschnitte zitiere ich hier übrigens bewußt nicht, um BurnYourEars nicht angreifbar zu machen, zu verhindern, ist neu und beängstigend.
Natürlich, eine Verbreitung von urheberrechtlich geschütztem Material muß ein Künstler und der Apperat, der hinter ihm steht, nicht dulden. Aber mit Kanonen auf Spatzen oder in diesem Fall auf die eigenen Fans und jene, die sie organisieren und zusammen halten, zu schießen kann kaum die Lösung sein. Die Betreiber, die viel Zeit in ihre Arbeit für die Band gesteckt haben, sind zu Recht enttäuscht und erbost und denken, so einige Berichte, daran aufzugeben.
Viel gravierender sind allerdings die Angriffe auf Magazine und selbst eine Tageszeitung, die über diese Vorfälle berichten. Denn auch wenn das pathetisch klingt, geht es dabei um nichts Geringeres als die Pressefreiheit. Wenn man auf sein Material nicht aufpassen kann, muß man eben die Peinlichkeit ertragen, daß Andere darüber berichten. Und spätestens mit ihrer Holzhammermethode dürften sie die Nachricht szeneweit verbreitet haben.

Was man jetzt von der Band und ihrem Umfeld hält, muß jeder für sich entscheiden. Ich zumindest lege mir jetzt eine CD ein, garantiert nicht von RAMMSTEIN, und drehe den Regler auf Elf.

Weiter bei BurnYourEars: Mein Senf

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