Les Paul – Nachruf auf eine Legende

Sogar in die Tagesschau hat es die Nachricht geschafft: Lester William Pollsfuss, besser bekannt unter seinem Künstlernamen LES PAUL, ist heute im Alter von 94 Jahren in White Plains, NY verstorben. Jeder Musikfan hat den Namen schon einmal gehört, jeder Gitarrist zumindest schon mal eine Kopie einer seiner Gitarren in der Hand gehabt. Die Welt der Musik hat heute eine wahre Legende verloren.

Lester William Pollsfuss wurde am 9. Juni 1915 in Waukesha, Winsconsin geboren und begann früh, sich für Musik zu interessieren. Von der Mundharmonika über das Banjo arbeitete er sich bis zu Gitarre vor und trat schon als Jugendlicher als halbprofessioneller Country-Gitarrist auf. Neben dem Spielen von Musik interessierte er sich auch für Aufnahme- und Abspieltechnik.

In den 30er Jahren spielte Les Paul auf Jazz- und Blues-Alben und als Live-Musiker für einen Radiosender in Chicago. Zu dieser Zeit beschäftigte sich Les auch mit der Konstruktion von Gitarren. Die damals vorhandenen halbakustischen Gitarren waren durch die dünnen Holzwände nicht sehr stabil, teuer in der Herstellung und vor allem sehr anfällig für Rückkopplungen, wenn die den Schall aus dem Verstärker aufnahmen.
Deshalb ließ sich Les Paul 1934 eine Gitarre ohne die gewohnten F-Löcher bauen, um die Gitarre feetback-unempfindlicher zu machen.

In den 40er Jahren zog Les Paul nach New York, spielte auch dort für einen Radiosender und als Studio- und Bühnenmusiker für bekannte Namen wie NAT KING COLE oder BING CROSBY. Letzterer unterstützte Les auch bei seinen Experimenten mit verschiedenen Aufnahmetechniken.
In den Werkstätten des Gitarrenherstellers Epiphone baute Paul 1942 einen Prototyp einer Gitarre, die statt eines Resonanzkörpers über einen massiven Holzkorpus verfügte. Epiphone hatte kein Interesse an der Produktion der so genannten Solid Body Gitarre, und auch der konkurrierende Hersteller Gibson ließ sich Jahre bitten, bis schließlich 1952 die Gibson Les Paul als ersten Solid Body Gitarre in Serie ging. Der Rest ist Geschichte und man darf annehmen, dass man später bei Epiphone nur mäßig begeistert gewesen sein dürfte, den Erfinder samt seiner Entwicklung gehen gelassen zu haben.

Ende der 40er Jahre unternahm Les Paul außerdem Versuche mit dem so genannten Multi-Tracking, dem Übereinanderlegen verschiedener separat aufgenommener Tonspuren zur Schaffung eines druckvollen und voluminösen Klanges.

Nachdem er 1949 die Country-Sängerin Mary Ford geheiratet hatte, spielte er über die 50er und frühen 60er Jahre weiterhin Musik mit verschiedenen Künstlern ein und war führend an der Entwicklung eines Mehrspuraufnahmegerätes beteiligt, bei dem eine neue Spur aufgezeichnet werden konnte, während die bereits aufgenommenen abgespielt wurden.

Einige Jahre nach der Scheidung von Mary Ford 1964 zog sich Les Paul aus der Öffentlichkeit zurück. Erst in den 80er Jahren trat er wieder in New Yorker Clubs auf und begann auch wieder Musik aufzunehmen. Trotz Arthritis ließ er sich das Gitarrespielen nicht nehmen. Sein letztes Album mit dem Titel „Les Paul And Friends: American Made, World Played“ erschien 1995 und enthielt unter anderem Gastbeiträge von ERIC CLAPTON, JEFF BECK oder PETER FRAMTON.

Les Pauls musikalische Karriere stand wohl immer im Schatten seiner Erfindung, der Solid Body Gitarre. Er selbst kommentierte das in späteren Jahren einmal humorvoll mit den Worten: „Wenn ich mich den Leuten vorstelle, sind sie stets überrascht festzustellen, dass ich keine Gitarre bin und auch nicht tot!“. Trotzdem war er ein begeisterter Musiker. Nach einem Unfall im Jahr 1948, nachdem die Ärzte bereits annahmen, er würde nie wieder Gitarre spielen können, ließ er sich den Arm im rechten Winkel eingipsen, um sein Instrument weiter bedienen zu können. Auf seine Arthritis im Alter angesprochen sagte er einmal: „Ich spiele eben mit den Fingern, die mir noch geblieben sind.“

Auch an Ehrungen mangelte es Les Paul nicht. 1978 wurde er in die Grammy Hall Of Fame aufgenommen, 1988 von JEFF BECK in die Rock And Roll Hall Of Fame eingeführt. 2005 folge die Aufnahme in die National Inventors Hall Of Fame für die Erfindung der Solid Body Gitarre.

Les Paul hat die Musik revolutioniert. Ohne seine Entwicklung wäre der Sound vieler Genres, die wir heute hören und auf BurnYourEars besprechen, nicht denkbar, von der Bühnenshow gar nicht zu reden.

Ein Großer der Gitarrenmusik ist von uns gegangen. Also Gitarristen dieser Welt, ob Les Paul -Spieler oder nicht, nehmt eure Gitarren, spielt eure besten Licks auf den großen alten Mann und dreht die Regler auf 11.

Im Original veröffentlicht bei BurnYourEars: Mein Senf

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s