One Hit Wonder

Jeder Musikliebhaber kennt sie und in jeder Sammlung finden sich einige davon. Man schaut so über seine CD Sammlung, die Puristen der alten Schule selbstverständlich nur über ihre geliebten LPs, und plötzlich fällt der Blick auf ein Album einer Band, von der einem ums Verrecken nicht einfallen will, was sie bloß nach dieser Scheibe noch fabriziert hat.

Klar, in der auf die Charts ausgerichteten Pop-Musik ist es nichts Neues, dass die meisten „Künstler“ nur eine Saison gemolken werden, bis das Publikum ihrer überdrüssig ist, aber auch eigentlich im Rock oder Metal verwurzelte Bands haben gelegentlich ein Album, manchmal nur einen Song, der sie an die Spitze der Charts katapultiert, der auf keiner Party fehlen darf, und danach hört man nie wieder etwas davon.

Nehmen wir zum Beispiel mal TITO & TARANTULA. „After Dark“ dürfte dank Tarantino und „From Dusk Till Dawn“ zu einem der Soundtrack-Übersongs geworden sein und in dieser Form auch in den Plattensammlungen von Millionen nicht mal unbedingt rockafiner Musikfreunde gelandet sein.
Wenn man dann nach dem Album „Tarantism“ fragt, gehen vermutlich schon deutlich weniger Hände nach oben. Zu Unrecht, wie ich finde. Denn auch wenn das Niveau des unbestreitbar genialen Openers nicht über die volle Länge gehalten wird, ist es ein bockstarkes Rockalbum.

Dann wären da noch SPIN DOCTORS. Wenn der Name nicht gleich jedem etwas sagt, ist das halb so schlimm. Ihren größten Hit „The Princes“ werden aber die meisten kennen. Ich dem etwas linksautonomen Kulturzentrum, in dem ich große Teile meiner Jugend verbracht habe, war eine Party ohne zumindest über Jahre nicht denkbar und schaffte es 1993 in Deutschland immerhin auf Platz 5 der Charts.
Ihr zweite Single „Little Miss Can’t Be Wrong“ erreicht immerhin noch Platz 32. Das Album „Pocket Full Of Cryptonite“, auch immerhin bis auf Platz 5 vorgedrungen, kennen zumindest heute schon nicht mehr all zu Viele. Auch hier nicht vollkommen berechtigt. Zugegeben, das Album hatte wirklich Längen, aber wer es mal in die Hände bekommt, sollte neben den beiden Hit-Singles auch den „Jimmy Olsen Blues“ und „How Could You Want Him (When You Know You Could Have Me)“ oder besser dem ganzen Album mal (wieder) einen Durchlauf gönnen.

Jetzt kommen wir auch langsam in Untiefen meiner Sammlung an, bei denen ich selbst recherchieren muss. BLIND MELONs „No Rain“ ist ein Song, den ich absolut liebe. Es ist eines dieser Stücke, von denen man sich in melancholischer Stimmung vollkommen verstanden fühlen und sich etwas aufrichten lassen kann. Und ja, es ist auch tanzbar, wie in dem bereits erwähnten Kulturzentrum über Jahre jeden Freitag und Samstag bewiesen wurde.
Jetzt muss ich zu meiner Schande gestehen, dass die den Song selbst nur auf einer dieser unzähligen „Best Of Rock“ Compilations habe und mir das selbstbetitelte Debüt-Album selbst noch nicht besorgt habe. Das gibt einen dicken Abzug in der B-Note und die Hausaufgabe, das bei Gelegenheit mal nachzuholen.
Gehört hat man danach hierzulande auch nie wieder etwas von der Hippie-Combo, die danach immerhin noch ein weiteres Studioalbum veröffentlichte, bevor Sänger Shannon Hoon 1995 an einer Überdosis verstarb. Ein weiteres Album mit bereits aufgenommenen Gesangsspuren fand ebenso wenig Beachtung, wie eine Wiedervereinigung mit neuem Sänger 2006. Das erste Album dieser Konstellation erschien gerade auch in Europa.

Und jetzt ganz ehrlich: Wem sagt das Kürzel EMF etwas? Wer jetzt „elektromagnetisches Feld“ gerufen hat, hat auch nicht Unrecht und bekommt den Hans Rosenthal-Gedächnis Punkt. In diesem Zusammenhang aber vollkommen am Thema vorbei.
EMF (steht wahlweise für „Epson Mad Funkers“ oder „Extacy Mother Fuckers“) sind eine Band, die als Schülercombo 1989 unter Vertrag genommen schon ein Jahr später mit „Unbelievable“ ihren ersten und einzigen Hit veröffentlichte und danach weitgehend erfolglos versuchte, an alte Verkaufszahlen anzuknüpfen.

Weiter bei BurnYourEars: Mein Senf

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