Ronnie James Dio – Ein Nachruf auf den Sänger-Gott

Wenn man einen Metalfan nach den besten Sängern aller Zeiten fragt, mögen eine Reihe von Namen kommen. Doch ein Mann wird es immer in die obersten Ränge schaffen, der 40 Jahre sein Publikum mit seiner Stimme und seinem technisch anspruchsvollen Gesang begeisterte. Heute Morgen verstarb RONNIE JAMES DIO im Alter von 68 Jahren.

Dio wurde am 10. Juli 1942 in Portsmouth, New Hemshire als Ronald James Padavona in eine musikalische Familie hineingeboren und unternahm bereits in der Schulzeit erste musikalische Gehversuche. Nachdem er 1960 zum ersten Mal den Künstlernamen Dio (Gott) nutzte, spielte er in verschiedenen Formationen, bis seine Band ELF (vormals THE ELETRIC ELVES) von den DEEP PURPLE Mitgliedern Ian Paice und Roger Glover entdeckt wurde, die auch das erste Album (Glover danach noch das folgende Album) produzierten.

Den endgültigen Durchbruch aber brachte die eigentlich nur für wenige Songs geplante Zusammenarbeit mit DEEP PURPLE Gitarrist Ritchie Blackmore. Statt wie geplant nur eine Single mit zwei Songs herauszubringen, formierte Blackmore 1976 nach seinem Ausstieg bei DEEP PURPLE die Band RAINBOW.
Obwohl die Zusammenarbeit nur etwa zwei Jahre und drei Alben andauerte, nahmen RAINBOW eine Reihe unsterblicher Hits wie „Catch The Rainbow“, „Man On The Silver Mountain“, „Stargazer“ oder „Long Live Rock And Roll“ auf, die bis heute nichts von ihrer Brillanz und ihrem Kultstatus verloren haben.

Als Blackmore im Herbst 1978 sämtliche Bandmitglieder außer Schlagzeuger Cozy Powel entließ, schloss sich Dio BLACK SABBATH an, die einen Ersatz für ihren chronisch unzuverlässigen Sänger Ozzy suchten.
Mit BLACK SABBATH nahm Dio „Heaven And Hell“ und “Mob Rules”, sowie bei einer kurzfristigen Re-Union Anfang der 90er Jahre das Album „Dehumanizer“ auf, die Songs wie „Children Of The Sea“, „Sign Of The Southern Cross“, „Computer Gods“ und natürlich die großartigen Titelsongs der beiden ersten Alben beinhalteten.

Nach der Trennung von BLACK SABBATH gründete Ronnie James Dio seine eigene Band DIO, mit der er insgesamt zehn Alben veröffentlichte und fast ununterbrochen aktiv war, bis der sich 2007 wieder mit seinen ehemaligen Kollegen von BLACK SABATH zusammentat und unter dem Banner HEAVEN AND HELL zunächst mit dem Material der alten Alben tourte und schließlich 2009 mit „The Devil You Know“ ein letztes Album veröffentlichte.

Im November 2009 gab Dios Frau Wendy bekannt, dass bei ihrem Mann Magenkrebs diagnostiziert worden war. Zunächst schien die Behandlung gut anzuschlagen und HEAVEN AND HELL planten bereits eine Festivals-Tour im Sommer 2010.

Nachdem die Konzerte Anfang Mai diesen Jahres abgesagt wurden und bereits Gerüchte über den sich verschlechternden Gesundheitszustand des Sängers kursierten, teilte Wendy am 16. Mail 2010 der Metal-Gemeinde mit, dass Ronnie James Dio um 7:45 Uhr Ortszeit in einem Krankenhaus seinem Krebsleiden erlegen war.

Ronnie James Dio war eine DER Stimmen des frühen Metal. Welcher Musikliebhaber könnte sich Songs wie „Catch The Rainbow“ anhören, ohne Gänsehaut zu bekommen? Welcher Musiker könnte das technische Können des fast opernhaft singenden Mannes mit der kleinen Statur nicht bewundern?

Dio war kein großer Songschreiber. Er brauchte immer jemanden, der ihm die Hits schrieb, die er mit seiner Stimme auf ganz neue Ebenen hob. Seine Solo-Alben enthielten zwar immer wieder einzelne Höhepunkte, konnten aber mit seinen frühen Werken bei RAINBOW und BLACK SABBATH nie mithalten.
Nicht zuletzt fiel Ronnie James Dio aber auch durch seinen unaufgeregten Lebensstil und seine ruhige und freundliche Art neben der Bühne auf. Starallüren schienen dem kleinen Mann mit der großen Stimme fremd zu sein.

Bis zum Schluss glaubte Dio an seine Genesung und ließ noch bei der Absage der Festivaltour vor nicht einmal zwei Wochen seine Fans wissen, dass sie sich auf mehr Touren mit „mehr Musik, mehr Leben und noch mehr Magie“ freuen sollten: „There will be other tours, more music, more life and much more magic.“

Er sollte dieses Mal Unrecht haben, und ich freue mich, ihn zumindest zwei Mal, ein Mal beim Bang Your Head und zuletzt vor fast genau einem Jahr beim Sweden Rock Festival, auf der Bühne erlebt zu haben.

Heute ist einer der besten, wenn nicht der beste Rocksänger seiner Generation von uns gegangen, der sich seinen Künstlernamen mit vollem Recht gewählt hatte (auch wenn er sich ursprünglich vermutlich nach einem Mafioso benannte). Eine der großen Stimmen des Metal ist für immer verstummt, doch seine Musik wird nicht verklingen.

Und so sitze ich, wie vermutlich tausende Anderer weltweit in diesem Moment, und höre die alten Songs in Erinnerung an Dio und habe die Regler auf Elf gedreht…

Im Original veröffentlicht bei BurnYourEars: Mein Senf

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