Zwei Wege? (Teil 2)

Nachdem nach Ted Cruz auch der letzte verbliebene Konkurrent um den Platz des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John Kasich – gelegentlich zuletzt als „Vierter von Dreien“ verspottet, weil er noch weniger Delegierte hinter sich versammelt hatte als der bereits länger ausgeschiedene Marco Rubio – das Handtuch geworfen hat, scheint Donald Trump am Ziel zu sein. Wenn die Partei nicht noch einen halsbrecherischen Coup versucht, dürfte ihm die Nominierung nicht mehr zu nehmen sein. So oder so ist die Wahrscheinlichkeit, dass die „Grand Old Party“ dabei zu Schaden kommt, enorm.

Vor rund vier Jahren habe ich den Artikel „Zwei Wege“ veröffentlicht. Mitt Romney hatte damals den libertären Paul Ryan als seinen „Running Mate“, also seinen Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten, bekannt gegeben und stellte die Wähler in den USA so vor eine relativ eindeutige Richtungsentscheidung über die politische Ausrichtung der folgenden vier Jahre.

Jetzt, im Frühjahr 2016, stehen erneut Wahlen vor der Tür und beide Kandidaten scheinen weitgehend fest zu stehen. Zwar ist das Rennen auf demokratischer Seite noch nicht offiziell beendet, aber allein die überwiegende Mehrheit der Super-Delegierten – einer gerade unter demokratischen Gesichtspunkten fragwürdigen Einrichtung, die unkonventionelle Kandidaten verhindern soll – dürfte Hillary Clinton einen uneinholbaren Vorsprung bescheren.
Ähnlich wie bei Trumps Siegeszug haben die Medien an Clintons Dominanz einen wesentlichen Anteil. Bernie Sanders wurde in den US Medien deutlich seltener ausführlich behandelt. Eine Analyse der New York Times im März kam zu dem Schluss, dass Hillary Clinton mehr als doppelt so oft in den nationalen Medien auftauchte wie Sanders, Trump übrigens ungefähr sechsmal so oft. Und wenn über den Senator aus Vermont berichtet wird, dann eher als Kuriosität. Selbst deutliche Siegen in regionalen Vorwahlen wurden als Ausnahme von der Regel dargestellt, Clintons Nominierung dagegen als Formsache und nur eine Frage der Zeit. So ein Narrativ wird schnell zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung.

Clinton allerdings hat überparteilich keinen leichten Stand. Diverse Affären, teils künstlich hochgekocht, haben ihr Image in der amerikanischen Öffentlichkeit stark beschädigt. Viele Inhalte, für die sie einst stand, wurden entweder von der Obama Regierung mehr oder weniger erfolgreich umgesetzt oder im Grabenkrieg der Parteien so gegen die Wand gefahren, dass kaum eine Chance besteht, sie mittelfristig wieder auf die Tagesordnung zu setzen. 2008 wäre ihr Jahr gewesen, als sie Barack Obama den Vorzug geben musste. Dazu kommt ein Hin und Her bei verschiedenen Themen und Abstimmungen aus der Bush-Ära, die ihr bereits damals im Vorwahlkampf zu schaffen gemacht haben.

Doch auch wenn Hillary weit davon entfernt ist, die Teufelin zu sein, als die sie Republikaner und teile der Sanders-Gefolgschaft darstellen, unterscheidet sie vor allem der Stil von Trump. Beide stehen für eine neoliberale Wirtschaftspolitik, ohne großen Gestaltungsanspruch. Ja, gesellschaftlich vertritt Hillary ein zeitgemäßeres Menschenbild (wobei auch Trump zuzutrauen ist, wieder auf alte Positionen umzuschwenken, wenn es ihm nützlich erscheint). Beide sind sehr von sich und ihrem Vorgehen überzeugt und nicht gerade für ein selbstreflexives Grübeln oder das Eingestehen von Fehlern bekannt. Und ganz sicher gehören beide wirtschaftlich wie politisch zu Establishment und dass sich Trump, Sohn eines Millionärs, als Außenseiter darstellen kann, lässt tief blicken.

Am Ende dürfte Hillary das kleinere Übel als der jähzornige Trump sein. Aber die von vielen Wählern erhofften Veränderungen wird sie nicht bringen.

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