Schluss mit Wachstum Teil 6 – Teilen, Teilen, Teilen

Geteilte Freude ist doppelte Freude…das ist ebenso abgedroschen, wie die Vorstellungen vieler Befürworter der Marktwirtschaft, die für eine Abkehr vom Kapitalismus eine graue freudlose Welt an die Wand malen, quasi einen real-existierenden Sozialismus hoch Zehn.
Was bisher unter dem Begriff „Sharing Economy“ verstanden wird, hat ohne Zweifel seine Nachteile. Ausgebeutete (und sich selbst ausbeutende) UBER-Fahrer, die ohne soziale Absicherung mit ihrem eigenen Auto Menschen chauffieren oder RB&B, wo auf der einen Seite Wohlhabende, die dringend benötigten Wohnraum vom Markt nehmen und tageweise zu Hotel-Preisen vermieten und auf der anderen Seite Menschen, die Fremden ihr Wohnzimmer öffnen, um ein paar dringend benötigte Euro nebenher zu machen.

Wir müssen sehr viel weniger Verbrauchen und auch schon sehr viel weniger produzieren, wenn wir auch nur eine Chance haben wollen, die Klima- und Umweltschutzziele zu erreichen. Darüber sollte Einigkeit herrschen (die Betonung liegt bedauerlicherweise auf „sollte“). Die Frage ist, wie weit das unseren Lebensstandard einschränken wird und muss.
Ein wichtiger Baustein muss dabei eine verbesserte Haltbarkeit und Reparierbarkeit sein, damit einmal hergestellte Waren egal welcher Art länger genutzt werden können. Ein weiterer Schritt ist der Verzicht auf Überflüssiges, wie Wegwerfprodukte, die von Anfang an nur für eine kurze Nutzung ausgelegt waren. (Auch hier ist mit Widerstand der weniger rationalen Art und Weise zu rechnen – amerikanische „Konservative“ erklärten letztes Jahr zwischenzeitlich Plastiktrinkhalme zum Mittel des Widerstands gegen die „Gutmenschen“).
Ein dritter wichtiger Baustein ist das Teilen von Produkten, um die absolute Zahl an hergestellten Waren zu verringern. Denn auch hier gäbe es Einsparpotenzial.

Charles Eisenstein hat in der aktuellen Ausgabe des „Team Human“ Podcasts von Douglas Rushkoff ein recht gutes Beispiel gegeben, was das umfassen könnte. Es ginge eben nicht darum, dass alle Mitglieder eines Haushalts sich jetzt eine Zahnbürste teilen sollten, wie es die Schwarzmaler unken. Eisenstein führt Bohrmaschinen an, von denen die viele Menschen ein Billigexemplar im Keller liegen hat, das einmal pro Jahr aus dem Koffer geholt wird, um zwei Löcher zu bohren. Für die Meisten lohnt sich ein hochwertigeres Gerät aufgrund des seltenen Gebrauchs auch gar nicht.
Anders sähe es aber aus, wenn ein ganzer Häuserblock einen Werkzeug-Pool hätte, aus dem man sich bei bedarf ein Gerät leihen könnte. Zum einen würde sich dann eine hochwertige Anschaffung lohnen und zum anderen hätte man dann eine Bohrmaschine für zwei bis drei Dutzend Haushalte und nicht zwei bis drei Dutzend Geräte.

Und es ließen sich weitere Beispiele finden. Nehmen wir Rasenmäher oder andere Gartengeräte. Zumindest in meiner Nachbarschaft mähen die Menschen rundherum zuverlässig nacheinander am Samstag ihren Rasen. Dann könnte man doch auch den Rasenmäher weiterreichen.
Werfen wir mal einen ehrlichen Blick in die Küche: Wie oft nutzt man die ganzen Elektrogeräte wie Dampfgarer, Reiskocher und Co tatsächlich, die man irgendwann mal unbedingt haben musste? Verstaubt da nicht auch noch ein großer elektrischer Einkochtopf seit Jahren in der hintersten Ecke des Schrankes?

Den meisten Menschen kommt bei dieser Vorstellung zuerst in den Kopf, warum es nicht funktionieren wird. Was keinem gehört, wird auch von niemandem pfleglich behandelt. Wer einmal etwa in einer WG gewohnt hat, wird diese Erfahrung bestätigen können.
Die Alternative wäre aber, auf nochmals deutlich mehr Produkte verzichten zu müssen, denn daran, weniger Dinger herzustellen, um weniger Ressourcen zu verbrauchen und weniger Verschmutzung zu produzieren, werden wir nicht herumkommen (und je länger wir damit warten, desto härter wird der Schnitt ausfallen müssen).

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