Warum ich nicht mehr auf „Deliberation Daily“ veröffentliche

Nach gut einem Jahr habe ich mich entschieden, nicht mehr auf Stefan Sasses Blog „Deliberation Daily“ zu veröffentlichen. Grund dafür ist, dass die Seite mittlerweile in eine Richtung abgerutscht ist, die ich für mich nicht mehr vertreten kann.

Das liegt nicht direkt an Stefan Sasse, wohl aber an anderen Autoren auf der Seite, die er gewähren lässt.

Die Idee eines Blogs, der sich einer offenen Diskussion verschreibt, ist nett. Das kann aber nur funktionieren, wenn sich alle Beteiligten verpflichten, sich auf der Basis von Fakten auszutauschen. Da hat es auf DD schon lange vor meinem ersten Artikel dort gehapert. Hauptproblem war der Autor Stefan Pietsch, der als Fleischhauer-Abklatsch für Arme Artikel ohne Substanz und mit wenig eigenen Gedanken teilweise wie am Fließband produzierte. Meistens konnte man anhand der aktuellen Sau, die von der Springer-Presse durchs mediale Dorf getrieben wurde, recht gut ableiten, worum es in seinem nächsten Artikel gehen würde.

In den letzten Monaten hat man aber nicht nur bei Pietsch eine Radikalisierung im Schnelldurchlauf beobachten können, Deliberarion Daily hat sich zunehmend auch zu einem Hort der Covidioten entwickelt. Und spätestens hier kommt Sasses Laissez-Faire bzw. meine Geduld damit an ihre Grenzen. Er rutscht hier in die gleiche Form falscher Ausgewogenheit, die er (mit Recht) bei großen Medien kritisiert (hat). Man muss nicht jedem eine Plattform bieten und nicht jeder Beitrag ist gleichwertig und es ergibt sich keine fruchtbare Diskussion, wenn man Verschwörungstheoretiker und rechte Trolle gleichberechtigt neben ernsthafte Debattenbeiträge stellt.

Solche Diskussionen helfen vor allem deshalb nicht, sich der Realität anzunähern, weil nur eine Seite die Bürde hat, sich an Fakten halten zu müssen. Ich habe mich vor einiger Zeit schon mal mit den destruktiven „Diskussionsstrategie“ der rechten Trolle (die sich gerne als konservativ bezeichnen) befasst.
Das Hauptproblem ist der Tsunami an Unwahrheiten, gegen den man einfach nicht ankommt. Man müsste jeden Halbsatz factchecken und diese Zeit hat niemand. (Abgesehen davon hätte man dann noch immer keinen Moment mit der eigenen Argumentation verbracht.) Genau darauf setzen diese Personen aber und kommen so immer zumindest mit einem Teil ihrer Behauptungen durch.

Das zeigt sich bei Deliberation Daily mittlerweile auch in den Kommentarspalten, die sich liest wie die Achse von Tichy. Es gibt ein paar Leser, die (mal mehr, mal weniger geschickt) versuchen dagegen zu halten. Aber auch hier muss eine Seite ständig neuen Unsinn widerlegen, während die andere einfach im Copy&Paste Verfahren aus irgendwelchen Telegram-Gruppen fertige „Argumentationen“ auffährt. Von Sasse selbst kommt außer einem Zweizeiler hier und da nicht viel.

Inhaltliche Diskussionen habe ich auf Deliberation Daily selten beobachtet. Die meisten Beteiligten haben sich zum einen inhaltlich keinen Milimeter bewegt und oft auch nur das herausgelesen, was zu ihrem Weltbild gepasst hat (auch wenn das Gegenteil gesagt wurde). Aber mit Corona hat das ganze eine neue Dimension erreicht und bei diesem Thema dem gefährlichen Unsinn der Aluhüte eine Plattform zu bieten, halte ich für unverantwortlich. Ich würde mich schämen, wenn dieser Dreck auf einer Seite stehen würde, für die ich verantwortlich wäre.

Aus diesem Grund werde ich meine Zusammenarbeit mit Deliberation Daily an dieser Stelle beenden. Die Idee mag gut gewesen sein, aber es hat (solange ich die Seite verfolge) nie einen seriösen Konservativen gegeben, der dort Akzente gesetzt hätte. Mittlerweile ich von der Offenheit aber nur noch Beliebigkeit geblieben.

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