Archiv der Kategorie: Religion

Gefangen in einem „fremden“ Land?

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Das Zusammentreffen von Menschen mit unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründen im Strafvollzug ist ein durchaus brisantes Thema. Wo das Zusammenleben bereits in Freiheit nicht immer harmonisch und konfliktfrei abläuft, erfordern die beengten Verhältnisse in Justizvollzugsanstalten noch mehr Toleranz und Rücksichtnahme, da dort die Handlungsmöglichkeiten noch weiter eingeschränkt ist und die Chance, sich im Konfliktfall einfach aus dem Weg zu gehen, nicht besteht. Das Leben hinter Gittern stellt nicht nur einen Querschnitt des Gesellschaft da, sondern ist vor allem einen Blick auf die problematischen Randbereiche durch ein Brennglas. 

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Religion aus der atheistischen Perspektive: 3. Religiöse Werte und gute Werke

Auch wenn das Wetter noch immer nicht wirklich winterlich ist und man in manchen Regionen eher frühlingshafte Bedingungen vorfindet, gehe ich mit meiner kleinen Adventsserie „Religion aus der atheistischen Perspektive“ in die dritte Runde.

Im ersten Teil ging es um die grundsätzlichen Funktionsweisen von Religionen, den inhaltlichen Aufbau vieler religiöser Mythen und Schriften, sowie ihre Entstehung und Entwicklung. Auf dieser Grundlage basieren die folgenden Teile der Reihe.
Letzte Woche habe ich mich mit dem Spannungsfeld von Religion und Wissenschaft beschäftigt, das im politischen Alltagsgeschäft einer der beiden wichtigsten Konfliktherde darstellt, weil Erkenntnisse und Methoden der Wissenschaft Inhalte und Anspruch der Religion in Frage stellen, die ihrerseits an verschiedenen Fronten versucht, die Arbeit und den Wirkungskreis der Wissenschaft zu beschränken.

Im heutigen Teil geht es um Religion und Moral, man könnte sagen, dem Kerngeschäft von Religion. Denn was, wenn nicht das (durch höhere Mächte vermittelte) Wissen, was richtig und falsch ist, macht den weltanschaulichen Gestaltungsanspruch von Religionen aus?
Im Mittelpunkt dieses Artikels steht daher die Frage, ob die selbst gewählte Position der moralischen Überlegenheit, mit dem die Vertreter der Religionen ihren gesellschaftlichen Einfluss zu begründen und zu schützen versuchen, berechtigt ist und in welchen Bereichen man auch zu anderen Schlüssen kommen könnte. Weiterlesen

Religion aus der atheistischen Perspektive: 2. Religion und Wissenschaft

Nachdem ich mich im ersten Teil dieser Reihe an einer Definition von Religion versucht habe, geht es heute auf dieser Grundlage in das erste große Konfliktfeld: Wissen und Wissenschaft. Hier würde es eigentlich leicht fallen, polemisch zu werden. Ein Blick über den Großen Teich würde reichlich Beispielen von Personen bis in höchste politische Ämter, zu Tage fördern, die allen Ernstes behaupten, die Welt wäre in sechs Tagen geschaffen worden, nur ungefähr 6000 Jahre alt und zeitweise von Dinosauriern und Menschen gleichzeitig bewohnt worden. Ganze Themenparks gibt es in den USA, in denen diese Sichtweise „belegt“ werden soll. Nicht, dass wir so weit in die Ferne schweifen müssten. Auch die damalige hessische Kultusministerin Karin Wolff (CDU) hat 2007 angeregt, die biblische Schöpfungsgeschichte gleichberechtigt mit der Evolutionstheorie um Biologieunterricht zu lehren.

Wie im ersten Teil beschrieben, gehen religiöse Mythen in der Regel davon aus, dass der Ist-Stand der Welt der endgültige Stand der Schöpfung und wie er gewollt ist. Auch die gesellschaftlichen Strukturen, so in der Regel der Tenor, sind genau so, wie ihn höhere Mächte wollen, demnach also nicht verhandelbar.
Das ist zumindest die Theorie, denn viele nicht-schriftliche Religionen sind erstaunlich flexibel. Das zeigt sich zum Beispiel daran, die die Bewohner Amerikas und Australiens bei ihrer „Entdeckung“ auf die Ankunft der Europäer reagierten und sie recht schnell in ihre Kosmologie einfügen konnten.
Mit der Verschriftlichung religiöser Mythen wird eine Anpassung an neue Lebensumstände oder einen sich verändernden Wissensstand schwierig und immer schwieriger, je direkter die heiligen Schriften von einem übernatürlichen Wesen diktiert worden sein sollen.
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Religion aus der atheistischen Perspektive: 1. Genese einer Religion

Im ersten Teil meines atheistischen
Quartetts soll es um die Grundlagen von Religion gehen. Was ist eine Religion, wie entsteht sie, welchen Zweck erfüllt sie und wie entwickelt sie sich über die Zeit. Es geht hier zunächst vor allem darum, eine Informationsgrundlage und eine klare Definition für die weiteren Folgen der Serie festzulegen und einen nüchternen Blick auf das Phänomen Religion als Ganzes zu werfen.

Was ist Religion? 

Eine einzige allgemein anerkannte Definition von Religion existiert nicht. Die Uneinigkeit beginnt bereits mit der Wortherkunft, ob etwa das lateinische „religio“, das Wieder-Verbinden mit dem Göttlichen, oder „relegere“, das Wieder-Lesen der Mythen.
Eine klassische (substantivistische) Definition wäre die Sphäre der Heiligen und Übernatürlichen. Damit lassen sich allerdings ausschließlich die so genannten „Hochreligionen“ bearbeiten, da viele Anhänger animistischer Religionen, die von einer beseelten Natur ausgehen, und an Göttern, Geistern und Ahnen überhaupt nichts übernatürliches finden können. Weiterlesen

Religion aus der atheistischen Perspektive: Einleitung


Religion gegen Atheismus ist vielleicht die, oft von beiden Seiten, am emotionalsten geführte Diskussion in unserer Gesellschaft, die keinen (direkten) politischen Bezug hat. Mit so viel Eifer wird sie deshalb geführt, weil sie, wenigstens auf einer Seite, für viele Menschen am Kern dessen rührt, was ihr Selbstbild ausmacht oder wovon sie sich                                                                                    zumindest wünschen, es würde den Kern                                                                                    ihres Wesens darstellen.
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Da geht er hin…

Der Papst war da. Wer die letzten zwei Wochen nicht in einer Höhle ohne Zeitung, Radio, Fernsehen und Internet verbracht hat, kann das kaum übersehen haben. Bereits im Vorfeld versuchten die Medien nahezu unisono eine nationale Begeisterung herbei zu schreiben und sämtliche Kritiker (besonders die Bundestagsabgeordneten, die angekündigt hatten, der Rede fern zu bleiben) als Querulanten und Miesmacher darzustellen. Im Nachhall mehren sich langsam die kritischen Stimmen. Die allerdings kommen überwiegend von Gastautoren. In den Redaktionen und von den regelmäßigen Kolumnenschreibern wird mindestens ebenso emsig versucht, ein positives Fazit der Visite zu ziehen, auch wenn Ratzinger genau das Gegenteil von dem von sich gegeben hat, was die Menschen hören wollten und was ihrer Lebenswirklichkeit entsprochen hätte. Man muss ihm, um es mit ihm aufzunehmen, nicht mal die Missbrauchsfälle vorwerfen, auch wenn man es könnte, da seine Beteiligung an der Vertuschung mittlerweile als gesichert angesehen werden kann. Nein, an dieser Stelle sollen tatsächlich nur die Inhalte durchleuchtet werden. Wie könnte ein ehrliches Fazit dieses Besuchs ausfallen?

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