Archiv der Kategorie: Politik

Schluss mit Wachstum – Exkurs: Digitalisierung

Die Digitalisierung der Arbeitswelt ist als Thema im allgemeinen Diskurs gleichzeitig omnipräsent und kommt praktisch nicht vor. Es geht zwar regelmäßig darum, der Wirtschaft die Infrastruktur dafür zur Verfügung zu stellen, aber wenn über die Auswirkungen auf die abhängig beschäftigten gesprochen wird, unterstellt man gerne Panikmache. Eine Debatte, wie Digitalisierung unsere Arbeitswelt ähnlich wie die Transformation von einer Agrar- zu einer Industriegesellschaft auf den Kopf stellen wird, findet in der Politik kaum statt, geschweige denn ein Nachdenken darüber, wie wir unsere sozialen Sicherungssysteme, unsere Wertvorstellungen und unsere Ideen von der Verteilung von Arbeit und der Produkten daraus ändern müssen, damit hier nicht große Teile der Bevölkerung auf der Strecke bleiben.

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Schluss mit Wachstum Teil 4 – Haltbarkeit

 

Das hier ist mein Handy, ein Motorola Moto G4, das ich im Juni 2017 gekauft habe, nachdem sich mein vorheriges Telefon nicht mehr aufladen ließ. Das Modell kam im Sommer 2016 auf den Markt, war also zu dem Zeitpunkt, als ich es erstanden habe, nicht mehr der letzte Schrei, aber auch noch keine veraltete Ramschware.
Obwohl ich ein Talent dazu habe, dass meine technischen Geräte pünktlich zu Ende der Gewährleistungsfrist den Geist aufgeben, zeigt dieses Gerät technisch bisher keine Macken. Das Problem liegt auf der Software-Seite. Das letzte Sicherheitsupdate hat das Gerät vor 15 Monaten erhalten, ein Upgrade auf eine aktuellere Android-Version gab es nie (nur dem etwas gehobenere Schwester-Modell G4 Plus wurde im Frühjahr noch Android 8.1 spendiert…während neue Modelle bereits mit Android 9 ausgeliefert werden). Der Hersteller hat den Support nicht mal zwei Jahre nach Erscheinen einfach komplett eingestellt.

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Schluss mit Wachstum Teil 3 – Es gibt kein Wundermittel


CO2-Steuer, die Rückkehr der Kernkraft entweder konventionell oder als Fusionsreaktoren, E-Mobilität oder ganz aktuell massive Aufforstung…all diese Ideen haben etwas gemeinsam: Sie nähren die Illusion, dass wir unseren Lebensstil im Großen und Ganzen beibehalten können, wenn wir nur ein paar technische Parameter neu kalibrieren. Je schneller wir uns von dieser Idee verabschieden, desto besser.
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Schluss mit Wachstum Teil 2 – Wachstum ohne Ressourcenverbrauch und Verschmutzung?

Dieser Artikel ist eine Fortsetzung eines Textes aus dem Jahr 2011. Der ursprüngliche Kommentar hat sich mit dem Dilemma unseres Wirtschaftssystems befasst, in dem Innovation und Steigerung der Produktivität des einzelnen Akteurs zu ständigem Wachstum zwingen, da sonst die Wirtschaftssubstanz und nicht zuletzt die Möglichkeit, einen Lebensunterhalt durch Erwerbstätigkeit zu bestreiten, immer weiter abnehmen würde. In der Schlussfolgerung geht es darum, dass wir unser Wirtschaftssystem grundsätzlich ändern müssen, wenn wir einen Lebensstil anstreben, der unser Ökosystem nicht permanent überfordert.

In der nächsten Zeit möchte ich in mehreren Schritten an diesen Artikel anschließen, neue Aspekte ergänzen oder Gedanken aus dem damaligen Text vertiefen. Den Anfang macht heute die Idee, Wachstum von Ressourcenverbrauch und Verschmutzung zu entkoppeln Weiterlesen

Mit Pauken und Trumpeten

Ist das undenkbare passiert? Eigentlich nicht, denn wer in den letzten Wochen und Monaten Augen und Ohren offen gehalten hat, musste davon ausgehen, dass es beim Rennen um das Weiße Haus knapp werden könnte. Zu sehr hatten sich die Trump-Fans auf ihre Wahl festgelegt und waren entschlossen, sämtliche Skandale und Unstimmigkeiten zu ignorieren.
Vielleicht noch wichtiger ist aber, dass auf der Seite der Demokraten jede Begeisterung fehlte. Kaum jemand schien aus Überzeugung für Hillary Clinton stimmen oder gar eintreten zu wollen. Mehr als das kleinere Übel vermochte in ihre niemand zu sehen. Das aber ist kein guter Motivator, um Wähler an die Urnen zu treiben. Der vor einigen Wochen schon sicher geglaubte Sieg der Demokratin fiel damit ins Wasser.

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Der Verfassungsschutz liegt bei Snowden über alle Ma(a)ßen daneben

Das Bundesamt für Verfassungsschutz und seine ihm unterstellten Landesbehörden haben in den letzten Jahren gelinde gesagt keine gute Figur gemacht. Es gelang ihnen nicht nicht, den Nationalsozialistischen Untergrund NSU im Auge zu behalten und deren Mordserie zu verhindern, obwohl sich mehrere V-Männer in dessen direktem Umfeld aufhielten. Ob diese die Terroristen auch mit Mitteln des Verfassungsschutzes unterstützen, ist nach wie vor unklar – nicht aber, dass sie dem Mörder-Trio grundsätzlich zur Seite standen. Stattdessen allerdings beobachteten verschiedene Verfassungsschutz-Ämter zeitgleich Abgeordnete der Linken und eine Punkband aus Mecklenburg-Vorpommern, die ohne die langjährige PR-Arbeit des Geheimdienstes im Rest der Republik wohl gänzlich unbekannt wäre.
Und dann war da noch der NSA Skandal, in dem auch die Methoden der Verfassungsschützer ins Zwielicht gerieten und gelegentlich die Frage aufkam, ob sich die Behörde auch an den Geist eben jenes Grundgesetzes hielt, das sie zu schützen hatte.

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Verzinst noch mal

Die Zinsen sind niedrig. Das ist ein Fakt in der Euro-Zone, aber auch in einem großen Teil der restlichen Industrienationen und das hat Folgen. Einerseits kann man sich so günstig wie selten verschulden, gleichzeitig bekommen Anleger nur noch für risikoreiche Investments nennenswerte Renditen. „Kalte Enteignung“ ist ein Schlagwort, das nicht nur rechts der Mitte immer mehr Anhänger findet. Die Europäische Zentralbank nehme den deutschen Sparer aus, um die Krisenländer zu stützen. Aber ist das so?

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Zwei Wege? (Teil 2)

Nachdem nach Ted Cruz auch der letzte verbliebene Konkurrent um den Platz des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John Kasich – gelegentlich zuletzt als „Vierter von Dreien“ verspottet, weil er noch weniger Delegierte hinter sich versammelt hatte als der bereits länger ausgeschiedene Marco Rubio – das Handtuch geworfen hat, scheint Donald Trump am Ziel zu sein. Wenn die Partei nicht noch einen halsbrecherischen Coup versucht, dürfte ihm die Nominierung nicht mehr zu nehmen sein. So oder so ist die Wahrscheinlichkeit, dass die „Grand Old Party“ dabei zu Schaden kommt, enorm.

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Der alte Mann versinkt im Meer der Bedeutungslosigkeit

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán besucht Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl in seinem Privathaus in Oggersheim. Das müsste keine Nachricht sein, wenn Orbán nicht ein Symbol für den Rechtsruck in vielen osteuropäischen Staaten wäre und sich mit seinen Gesetzen, etwa gegen die Unabhängigkeit der Justiz oder gegen die Pressefreiheit, immer weiter der Grenze zur Diktatur annähern würde.

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Die große Rentenlücke

Vermutlich hatte die ARD es als die große Meldung des gestrigen Tages geplant, doch all zu viele Medien sprangen bisher nicht auf den Zug auf. Von den Menschen, die ab 2030 in den Ruhestand gehen, muss etwa die Hälfte mit einer Rente unterhalb der Mindestsicherung rechnen. Es mag sein, dass die Veröffentlichung der Panama Papers zu viel mediale Aufmerksamkeit gebunden hat, vielleicht liegt es aber auch daran, dass sich niemand wirklich darüber wundert, denn überraschend sind diese Zahlen nicht.

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